Screening kann Leben retten

Saalfeld. Im vergangenen Jahr war erstmals ein Schwerpunktthema zum bundesweiten „Gefäßtag“ gesetzt: das Bauchaortenaneurysma, eine krankhafte Erweiterung der Hauptschlagader. Die Erkrankung tritt bei fünf Prozent der über 65-jährigen auf. Männer sind viermal häufiger betroffen als Frauen.

Da derartige Aneurysmen platzen können, stellen sie ein potentiell lebensbedrohliches Risiko dar. Zum Anderen kann es zu Gerinnselverschleppungen aus dem Aneurysma in die Beine und damit zu einer gravierenden Durchblutungsstörung und Amputationsbedrohung kommen.

Während beim Notfalleingriff im Stadium der Ruptur das Sterblichkeitsrisiko nach wie vor bei etwa 30 bis 50 Prozent liegt, besteht beim Wahleingriff lediglich ein Risiko von drei bis fünf Prozent.

Neben der offenen Operation steht heute ein minimal-invasives Verfahren zur Verfügung, welches auch betagten und so genannten Hochrisikopatienten (zum Beispiel nach Herzinfarkt etc.) die Chance auf eine erfolgreiche Behandlung des Aortenaneurysmas eröffnet. Im Gegensatz zur offenen Operation (großer Bauchschnitt und Ersatz der Hauptschlagader durch eine sogenannte Y-Prothese) wird das Aneurysma von zwei kleinen Leistenschnitten aus durch eine im Gefäßsystem eingebrachte Spezialprothese (Stentgraft) ausgeschaltet.

Entscheidend für die Prognose einer Aneurysmaerkrankung ist die rechtzeitige Erkennung. Häufig wird es als „Zufallsbefund“ bei einer Ultraschalluntersuchung des Bauches und der Nieren (vom Hausarzt, Internisten, Urologen etc.) entdeckt. Die weiterführende Diagnostik erfolgt dann beim Spezialisten (Gefäßchirurg, Radiologe, Angiologe). Sollte eine Operation noch nicht erforderlich sein, würde dieser Spezialist die weitere Überwachung in regelmäßigen Abständen übernehmen.

Von der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie wurde ein Screening-Pass entwickelt, der jedem Aneurysmaträger ausgehändigt wird und damit dem weiterbehandelnden Arzt (insbesondere bei eventuellen Notfallsituationen) eine wertvolle Schnellinformation liefert.

Prof. Dr. med. Hutschenreiter

Diesen Screening-Pass erhalten Aneurysmaträger von den Gefäßchirurgen der Thüringen-Kliniken.

Bauchaortenaneurysma im seitlichen Strahlengang

 und als virtuelle Rekonstruktion der Schichtaufnahmen

 sowie ein Kontroll-CT nach drei Jahren mit korrekt sitzendem Stentgraft.

Ein Stentgraft schaltet das Aneurysma aus – hier in Form einer so genannten Y-Prothese.

Bei entspannten Bauchdecken ist das Aneurysma sowohl tastbar als auch von außen sichtbar.

Das Aneurysma (Querdurchmesser: acht Zentimeter) ist freigelegt.

Nach Resektion wird der Gefäßdefekt durch eine so genannte Y-Prothese überbrückt.

(21.01.2010, Stephan Breidt)

 

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